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Wie anonym ist Bargeld?

Wer mit Münzen oder Scheinen bezahlt, der bleibt anonym. Aber wie anonym sind Zahlungen mit Bargeld wirklich? Tatsächlich können deutsche Polizeibehörden Geldscheine nachverfolgen, denn ein kommerzielles Start-Up verkauft sogenannte Bargeld Tracking-Dienste.

Man sollte sich mit der Anonymität nicht zu sicher sein

Man sollte sich mit der Anonymität nicht zu sicher sein

Ob in Deutschland oder Österreich: Bargeld hat einen hohen Stellenwert, weil man im Zuge des Einkaufs anonym bleibt und zum Teil auch versucht, sich ein paar Vorteile zu verschaffen. Stichwort: Schwarzgeld. Nicht alle Aktivitäten müssen auf einer Baustelle am Ende mit einer Rechnung belegt werden.

Dennoch sollte man sich nicht so sicher sein, wenn es um die 100%ige Anonymität geht. Denn sehr wohl arbeiten Zentralbanken und Strafverfolgungsbehörden daran, Bargeld nachverfolgen zu können. Auch die Bargeldindustrie arbeitet hier mit. Immer wieder setzt man das sogenannte Bargeld-Tracking ein – viele deutsche Polizeibehörden und auch Staatsanwaltschaften greifen auf diese Methode der Verfolgung zurück.

Dabei steht ein bislang eher unbekanntes Unternehmen im Mittelpunkt, das Bargeld Tracking-Dienste verkauft.

Seriennummern können problemlos ausgelesen werden

Der Name des Unternehmens bleibt geheim. Schließlich will man nicht, dass der Dienst auffliegt. „Unsere Technologie ermöglicht es, auf Knopfdruck die Historie von Banknoten nachzuvollziehen“, so der Geschäftsführer. Es werden Seriennummern an einem zentralen Knotenpunkt gesammelt, etwa beim Geldtransportunternehmen, dann werden Einblicke in Datenbanken ermöglicht – natürlich gegen Bezahlung. Also ist die Anonymität des Bargelds in Gefahr?

Tatsächlich ja, weil die Geldverarbeitungsgeräte können die Seriennummern von Banknoten problemlos auslesen. Genauso wie Seriennummern von Parkscheinen, Fahrkarten oder Snacks, Zigaretten sowie Kaffee ausgelesen werden können. „Selbst wenn ein Mensch die Banknote einkassiert, ist sie nicht vor automatisierter Seriennummern-Erkennung geschützt. Die Einnahmen der meisten Geschäfte werden täglich von Geldtransportunternehmen abgeholt. Und die jagen das Geld in ihren Cash-Centern durch Banknotenprüf- und -sortiermaschinen, die Seriennummern auslesen.“

Was kann über die Verfolgung der Banknoten alles in Erfahrung gebracht werden?

Was kann über die Verfolgung der Banknoten alles in Erfahrung gebracht werden

Wie sieht es hier mit den Persönlichkeitsrechten aus? Wer sich heute im Internet registriert und mit Geld zu tun hat, muss seine Daten bestätigen. Beispielsweise im Bereich der Finanzen. Aber auch im Bereich Glücksspiel. Es gibt zwar Casinos, die ohne Checks der persönlichen Daten das Spielangebot zur Verfügung stellen, diese arbeiten aber ohne deutsche Lizenz. In einigen Fällen werden dann vor der ersten Auszahlung die Daten überprüft. Auch gibt es Online Shops, die eine Bestätigung der Identität verlangen, bevor hier eingekauft wird.

Am Ende stimmt man jedoch immer zu, dass man seine Daten preisgibt. Aber wie ist das, wenn dann Bargeldtransaktionen „verfolgt“ werden, ohne, dass man hier zugestimmt hat? „Eine umfassende Nachverfolgung von Bargeld-Seriennummern würde tiefgreifende Einblicke in das Privatleben von Menschen ermöglichen. Nicht nur der Gang zum Bäcker, auch die Fahrt zu einer Klinik für Schwangerschaftsabbrüche wäre nachvollziehbar“, kritisiert etwa Luke Hoß, Politiker der Linken. „Wenn Seriennummern mit Zeit und Ort der Erfassung gespeichert und diese Daten immer granularer gesammelt werden, verliert man die Anonymität des Bargelds“, so Marit Hansen, die Landesbeauftragte für Datenschutz Schleswig-Holstein.

Tatsächlich könnten aus den Zahlungsspuren persönliche Details abgelesen werden, mitunter sogar intime Informationen erkannt werden. Wie sieht es mit der Ernährung aus? Welchen Süchten wird gefrönt? Welche Liebschaften hat man? „Das sind Informationen, die andere nichts angehen. Hier haben Menschen das legitime Interesse, keine Spuren zu hinterlassen“, so Hansen.

Banknotenverfolgung gibt es schon seit Jahren

Bislang hat es nur ein internationales Projekt gegeben, das auch nichtkommerziell war: Eurobilltracker. Dadurch wurden nur die Wege der verschiedenen Euro-Banknoten verfolgt. Die Eingabe der Seriennummer, der Drucker-Code und der Fundort der Banknote sind ausreichend, um zu wissen, von wo die Banknote kommt. Das Vorbild: „Where’s George“ aus den USA.

Philippe Girolami hat das Projekt gegründet. Der französische Programmierer hat die zurückgelegte Distanz der Banknote berechnet, die Reise dann visualisiert und konnte so in weiterer Folge detaillierte Statistiken zur Verfügung stellen.

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